Natur- und Artenschutz

Kinder des Kindergartens in Kleiningersheim pflanzen die vom Aussterben bedrohte Elsbeere.

Kinder des Kindergartens in Kleiningersheim pflanzen die vom Aussterben bedrohte Elsbeere.


Kirchengemeinden haben unzählige Möglichkeiten, mit ihren Gebäuden und Grundstücken Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu ermöglichen, z.B.:

  • Nistplätze für Fledermäuse, Turmfalken oder Dohlen in Kirchtürmen ermöglichen, bzw. erhalten. Unterstützung dabei bekommen Kirchengemeinden vom Naturschutzbund NABU Aktion Lebensraum Kirchturm
  • Heimische Sträucher pflanzen
  • Fassaden und Flachdächer begrünen-
  • Gebäude nicht übermäßig beleuchten (Gefährdung für nachtaktive Tiere)
  • Grünstreifen stehen lassen und heimische Ackerblumen aussähen
  •  Artenschutzaktion der Landeskirche
  • Artenschutzaktion "Natur Kultur blüht auf" unter Beteiligung der Landeskirche. Handlungsanleitungen zum Download (2 MB, Seite 11 speziell für Kirchengemeinden)
  • Beteiligen Sie sich an EMAS / Grünem Gockel
    In der EMAS III Verordnung vom 11. Januar 2010 ist die Biologische Vielfalt als einer der Kernindikatoren aufgenommen worden (ausgedrückt in Quadratmeter bebauter Fläche)

Gottesdienstmaterial zum Thema Natur- und Artenschutz ist zu finden unter der Rubrik
 Gottesdienst und Gemeindearbeit


Artenschutz-Broschüre

Broschüre "Gesegnete Vielfalt. Kirchen in Europa aktiv für Artenschutz." Mit Hinweisen zur Rechtslage, Tipps und Beispielen aus der Praxis und theologischen Impulsen. 


Der Pfarrgarten als Mini-Naturschutzgebiet

Ein wunderschönes Beispiel eines naturnahen Pfarrgartens findet sich in Vellberg-Großaltdorf. Mit viel Einsatz und Idealismus haben dort Pfarrer Hofmann sowie viele engagierte Gemeindemitglieder einen vorbildlichen Pfarrgarten angelegt. Dieser wunderschöne Pfarrgarten ist bei Gemeindefesten zugänglich. Meditationstexte und Blumenschildchen laden zum Verweilen und Entdecken ein und inspiriert so zur Nachahmung.
 
Mit geringem Aufwand können einige Elemente dieses Pfarrgartens in jedem Pfarrgarten verwirklicht werden:
Steingarten, Blumenrasen, Streuobstwiese, Trockenmauer, Pflasterrasen, wärmeliebender Saum, Schmetterlings- und Wildbienensaum, Schattsaum und Feldblumenbeet
 
Wie das gehen kann zeigt der ausführliche Erfahrungsbericht von Pfarrer Hofmann: Anlage und Pflege des Pfarrgartens in Vellberg-Großaltdorf (Word-Dokument, 48 KB)
 
Dieser Pfarrgarten wurde mit dem Landesnaturschutzpreis 2010 ausgezeichnet.


Postkarten aus dem Pfarrgarten

Postkarte: Schwalbenschwanzraupe (1,5 MB)

Postkarte: Schwalbenschwanzraupe (1,5 MB)

Mit Fotos aus dem Pfarrgarten Großaltdorf wurde eine Postkartenserie gestaltet, die unter für 2,00 Euro formlos bestellt werden kann: www.umwelt.elk-wue.de














Lebensraum Kirchturm – Kirchengemeinde Ostelsheim ausgezeichnet

Gerade heute, wo im Rahmen von Energieeinsparmaßnahmen viele Kirchen nachträglich gedämmt werden, ist es umso wichtiger, die Tiere im Kirchturm und auf Kirchendachstühlen nicht aus den Augen zu verlieren. Denn gerade dort befinden sich Lebensräume von in ihrem Bestand gefährdeten Tierarten, wie z. B. Fledermäuse und Turmfalken.
 
Beispielhaft ist hier die Kirchengemeinde Ostelsheim. Dieser wurde deshalb am 8. Mai, im Zusammenhang mit der Grüner-Gockel-Revalidierung, die Plakette Lebensraum Kirchturm verliehen. Die Plakette zeichnet Kirchengemeinden aus, die sich besonders im Bereich Artenschutz engagieren.
 
In Ostelsheim wurde schon vor 40 Jahren an das Mitgeschöpf Tier gedacht: Im Kirchturm wurde ein Turmfalken- Nistkasten angebracht. 25 Mal war dieser bisher von Turmfalken bewohnt! 2009 wurde im Kirchturm ein Zugang für Fledermäuse geschaffen sowie ein Mauersegler-Nistkasten mit 5 Nistkammern angebracht. 2010 schließlich wurde, in Zusammenarbeit mit den Konfirmanden, im Garten des Gemeindehauses ein Wildbienen- und Insektenhaus errichtet.
 
Aufgrund der jahrelangen Erfahrung kann Rolf Rempp, Grüner Gockel-Umweltteam, viele praktische Tipps geben. So sollte, wenn in Kirchtürmen Nistkästen neu eingebaut, bzw. erneuert werden, nach Möglichkeit gleich ein Doppelkasten für Turmfalke und Fledermaus angebracht werden. Bei den Mauerseglerkästen habe sich bewährt,  die Einflugöffnungen im Herbst mit einem Korken zu verschließen, damit der Kasten nicht von Spatzen etc. belegt wird. Die Korken müssen dann aber Ende April, kurz vor Rückkehr der Mauersegler, entfernt werden. Gute Brutröhren für Wildbienen, so Rempp, seien hohle oder markhaltige Pflanzenstängel von Holunder, Heckenrosen,  Himbeeren, Brombeeren, von Disteln oder  Sommerflieder.
 
 

Kirchensanierung und Artenschutz

Die staatliche Naturschutzverwaltung hat den Flyer Kirchensanierung und Artenschutz - Schutz von Fledermäusen und Vögeln bei Baumaßnahmen (pdf, 728 kb) herausgegeben: Eine optimale Zusammenfassung über den rechtlichen Rahmen, die notwendigen Schritte und die zeitlichen Einschränkungen bei artenschutzgerechter Sanierung. 



Fledermauskartierung im Zollernalbkreis

Wo gibt es im Zollernalbkreis Fledermausquartiere in Kirchen / kirchlichen Liegenschaften?

Wo gibt es im Zollernalbkreis Fledermausquartiere in Kirchen / kirchlichen Liegenschaften?

Im Rahmen des Artenschutzprogrammes "Fledermäuse" werden in den nächsten Jahren Fledermausquartiere in kirchlichen Gebäuden kartiert. Begonnen wird dieses Jahr mit dem Zollernalbkreis. Die Kartierung wird durchgeführt und kordiniert von Frau Ingrid Kaipf, Tübingen, unterstützt durch örtliche Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Fledermauschutz Baden-Württemberg. Im Zollernalbkreis sind dies: Helmut Meng, Albstadt und Hans-Martin Weisshap, Hechingen.
Bitte ermöglichen Sie den Mitarbeitern den Zugang zu den Gebäuden.
 
Weitere Infos:
Büro des Umweltbeauftragten bzw. über die
Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg e. V.
Frau Ingrid Kaipf, Tel.: 0179 4972995
 info@dont-want-spam.agf-bw.de, www.agf-bw.de


Der Turmfalke: Ein kirchlicher Untermieter braucht Schutz

Sitzender Turmfalke
Sitzender Turmfalke
[Bild: NABU/Heng]


Der Turmfalke, der früher oft Kirchtürme bewohnte, hat es zunehmend schwerer. Maßnahmen zur Taubenabwehr nehmen ihm immer mehr seine angestammten Brutplätze. Kirchengemeinden könnten ihm aber mit einfachen Mitteln wieder eine Heimstatt bieten.   Kirchengemeinden können viel für den Schutz von Turmfalken, Schleiereulen und Fledermäusen tun. Konfirmanden könnten Nistkästen basteln und PC-begeisterte Tüftler, die sich bestimmt in jeder Kirchengemeinde finden, könnten sogar eine Webcam im Kirchturm installieren. Kindergartenkindern kann die Faszination und Schönheit des Mitgeschöpfs Turmfalke anhand von Bilderbüchern oder Bastelbögen nahegebracht werden. Und da gibt es immer wieder Mesnerinnen und Mesner, die sich freuen und ihre Umgebung darauf aufmerksam machen, wenn "ihr" Turmfalke im Frühjahr wieder den Kirchturm besiedelt.  
 
Warum der Bestand des Turmfalkens zurückgeht

Das helle "kikikikikiki" des elegant um den Kirchturm kreisenden Turmfalken im beginnenden Frühjahr ist bestimmt vielen von uns vertraut. Obwohl der elegante Flieger kein ganz seltener Vogel ist, geht der Bestand in Baden-Württemberg doch langsam, aber stetig zurück.
Dies liegt zum einen an der Zersiedlung der freien Fläche. Dadurch rückt das Jagdgebiet eines Turmfalken immer weiter von seinem Nistplatz weg, das sowieso durchaus mehrere Kilometer vom Nestplatz entfernt sein kann. Für den Turmfalken wird es dadurch immer schwieriger, seine bevorzugte Nahrung, Feldmäuse und andere Wühlmäuse, im charakteristischen Rüttelflug aufzufinden. Zudem braucht er offene Freiflächen und im Winter auch geeignete Ansitze z. B. Hecken oder allein stehende Bäume.
Zum anderen hat aber auch der Verlust von geeigneten Brutplätzen zum langsamen, aber stetigen Rückgang geführt. Der Turmfalke als einstiger Felsbewohner bevorzugt nämlich hochgelegene Brutplätze. Von daher nistet er sehr gerne in städtischer Umgebung auf Kirchtürmen. Leider wurden viele dieser Kirchtürme in den letzten Jahrzehnten im Rahmen von Umbau- und Sanierungsmaßnahmen hermetisch von außen abgedichtet. Mit den Tauben wurden dabei unbedacht auch Turmfalken, Schleiereulen und Fledermäuse ausgeschlossen.
 
Nistkästen helfen
Wird ein Nistkasten im Kirchturm angebracht oder am Turm außen aufgehängt, so wird dieser in der Regel in kürzester Zeit bezogen. Selbst ursprünglich für Schleiereulen angebrachte Nistkästen werden gerne von Turmfalken angenommen. Die Nistkästen sorgen für sichereren Bruterfolg, da so z. B. Marder nicht so leicht an die Brut herankommen. Der Kasten sollte möglichst hoch außen oder innen an der Süd- oder Ostseite des Kirchturmes angebracht werden. Wichtig für den Bau von Nistkästen: Die Kästen sollten ein Mindestmaß von jeweils 30 cm in Länge, Breite und Höhe haben, und die obere Hälfte der Vorderwand sollte offen bleiben.
Anleitungen für solche Holznistkästen gibt es z. B. bei den örtlichen Gruppen des Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU).
 
Auch sollte unbedingt beachtet werden: Während der Aufzuchtzeit die Vögel nicht stören und in dieser Zeit auch keine Umbaumaßnahmen durchführen.
Das Turmfalkenweibchen legt zwischen Mitte April und Mitte Mai drei bis sieben Eier und brütet 29 Tage lang. Die Jungen werden gut vier Wochen lang gefüttert. Nachdem die Jungvögel das Nest verlassen haben, werden sie noch weitere vier Wochen von den Eltern begleitet und gefüttert. Danach verlassen sie die Eltern, um sich eine eigenes Revier zu suchen.
Die Nistkästen sollten außerhalb der Brutsaison alle paar Jahre gereinigt werden. So eine Aktion kann man auch, falls der Kasten außen am Turm angebracht sein sollte, in Zusammenarbeit mit der örtlichen Feuerwehr durchführen.
 
Falls in Ihrer Gemeinde Bau- oder Sanierungsmaßnahmen am Kirchengebäude anstehen: Fragen Sie doch im Vorfeld das Umweltbüro der württembergischen Landeskirche an - damit Turmfalke, Fledermaus und Schleiereule auch in Zukunft weiterhin treue Kirchgänger bleiben können.
Monika Schäfer-Penzoldt