05.06.15

Nachhaltigkeit gelingt am besten in Gemeinschaft

Beim Kirchentag innovative Projekte im Rahmen des Wettbewerbs "KirchengemeindeN!" ausgezeichnet

Ein Teil der Preisträger. Bildrechte: Martin Stollberg

Stuttgart. Die Preisträger des Wettbewerbs "KirchengemeindeN! Nachhaltig handeln, Schöpfung bewahren" stehen fest. Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Welzheim, die Evangelische Kirchengemeinde Lustnau und die Evangelische Kirchengemeinde Bad Mergentheim sind am heutigen Freitag im Rahmen des Kirchentags für ihre nachhaltigen Projekte mit Hauptpreisen ausgezeichnet worden. Ministerpräsident Winfried Kretschmann dankte in seinem Grußwort allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Wettbewerbs: "Sie haben gezeigt, dass nachhaltiges Handeln in den Kirchengemeinden vor Ort angekommen ist. Nachhaltigkeit beginnt beim Einzelnen, gelingt aber am besten in der Gemeinschaft."

"Ich freue mich über die Kreativität und das hohe Engagement unserer Gemeindemitglieder und Gemeinden", erklärte Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July bei der Preisverleihung. In seiner Laudatio für die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Welzheim (Dekanat Schorndorf) sagte July: "Sie verbinden zwei Themen, die uns als Christen klarer biblischer Auftrag sind: einen guten verantwortungsbewussten Umgang mit der Schöpfung und Hilfe für Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten." Die Kirchengemeinde plant gebrauchte Fahrräder, Nähmaschinen und Werkzeuge zu beschaffen und diese dem Arbeitskreis Asyl für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung zu stellen. Auf längere Sicht sollen daraus eine Fahrradwerkstatt und eine kleine Schneiderei entstehen, in der im Tausch gegen Fahrdienste oder sonstige Hilfe kaputte Dinge repariert werden.

Die Evangelische Kirchengemeinde Lustnau (Dekanat Tübingen) überzeugte die Jury mit dem Projekt "Nachhaltiger Gemeindekalender LustN!au". Für Bischöfin Rosemarie Wenner von der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland zeigt dieses Projekt, dass das langjährige Engagement einer Kirchengemeinde zur Bewahrung der Schöpfung nicht nur dem Umweltschutz dient. "Mit dem Projekt 'Nachhaltiger Gemeindekalender' werden wichtige Impulse für die Gemeindearbeit und weit darüber hinaus für eine nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft gesetzt", betonte Wenner in ihrer Laudatio. Abgestimmt auf das Kirchenjahr bietet der Gemeindekalender Angebote für verschiedene Zielgruppen, etwa eine Müllsammelaktion und Vorträge zum Thema Ernährung zur Fastenzeit, die Möglichkeit einer Mitarbeit beim Stadtteilbauernhof vor dem Erntedankfest oder eine Bastelaktion aus Altpapier im Advent.

Die Evangelische Kirchengemeinde Bad Mergentheim (Dekanat Weikersheim) will mit ihrem Projekt die nachhaltige Mobilität in der ländlichen Region verbessern. Mit Hilfe von Sponsoren soll für die Nachbarschaftshilfe ein Elektroauto angeschafft werden, das abends und am Wochenende auch von einer örtlichen Carsharing-Initiative genutzt werden könne. Zudem plant die Kirchengemeinde zwei Ladestationen für Elektrofahrzeuge auf einem ihrer Parkplätze. "Die nachhaltige Verbindung von kirchlichen und kommunalen Zielen hat die Jury beeindruckt", betonte der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg (ACK), Domkapitular Dr. Peter Birkhofer von der Erzdiözese Freiburg. Die Zusammenarbeit mit einer Carsharing-Initiative sei "ein nachahmenswertes Modell für neue Mobilitätsformen im ländlichen Raum".

Ministerialdirektor Helmfried Meinel vom baden-württembergischen Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft zeigte sich beeindruckt von der Vielfalt der eingereichten Ideen. "Mit dem Wettbewerb 'KirchengemeindeN!' sind wir neue Wege gegangen. Wir haben erstmals den Kirchentag mit den Gemeinden im Land vernetzt, um Nachhaltigkeitseffekte über den seit Jahren nachhaltig aufgestellten Kirchentag hinaus auch vor Ort zu schaffen. Mit Erfolg", sagte Meinel. "Die Kirchengemeinden sind bereit, Geld in die Hand zu nehmen und Zeit zu investieren. Die Bewahrung der Schöpfung ist ihnen ein Anliegen."

Der mit insgesamt 78.000 Euro dotierte Wettbewerb wurde im vergangenen Jahr von der Landesregierung Baden-Württemberg gemeinsam mit der ACK, den Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg sowie der Erzdiözese Freiburg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart ins Leben gerufen hat. Damit soll das Engagement für mehr Nachhaltigkeit in den Kirchen- und Pfarrgemeinden gewürdigt werden. Insgesamt wurden 35 der 51 eingereichten Beiträge prämiert. Die drei Hauptpreisträger erhielten jeweils 5.000 Euro. Die Plätze 4 bis 10 waren mit 4.000 Euro dotiert. Alle weiteren Preisträger erhielten 2.000 bzw. 1.000 Euro Preisgeld.

Vor der Preisverleihung hielt Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rats für Nachhaltige Entwicklung und Mitglied des Rats der Evangelischen Kirchen in Deutschland, einen Festvortrag zum Thema "Nachhaltiger Konsum und die Rolle der Kirchen als Großverbraucher".

Die Liste aller Preisträger und eine umfangreiche Bildergalerie finden Sie hier.