07.10.14

Europäische Kirchen fordern EU zu entschlossenem Klimaschutz auf

Klaus-Peter Koch berichtet von der zehnten Tagung des europäischen kirchlichen Umweltnetzwerkes ECEN in Balantonszarszo (Ungarn).

Über 100 Teilnehmer aus ganz Europa fordern von der EU mehr Klimaschutz

Die TeilnehmerInnen der ECEN-Vollversammlung

Mehr als einhundert Teilnehmer aus ganz Europa haben an der zehnten Tagung des europäischen Umweltnetzwerkes in der Konferenz europäischer Kirchen (ECEN) vom 27. September bis 01. Oktober 2014 in Balatonszarszo (Ungarn) teilgenommen. Die Folgen der vom Menschen verursachten Klimaveränderung und Fragen der Klimagerechtigkeit standen im Mittelpunkt des ökumenischen Treffens. Zum Abschluss der Tagung wurde ein Appell an die Europäische Kommission verabschiedet, in dem die EU zu engagiertem Handeln und der Übernahme einer Vorreiterrolle zum Klimaschutz in der Weltklimakonferenz 2015 in Paris aufgefordert wird.

Für Klaus-Peter Koch, den Umweltbeauftragte der württembergischen Landeskirche, war es sehr beeindruckend, wie stark der Auftrag und der Wille zur Bewahrung der Schöpfung Kirchen unterschiedlicher Herkunft verbindet. So stand die Feier der jährlichen Schöpfungszeit im Zeitraum vom 01. September bis Erntedank auf der Tagesordnung des Arbeitstreffens.

„Alle Vertreter und Vertreterinnen stimmten kofessionsübergreifend darin überein, daß eine der größten aktuellen Herausforderungen Fragen der Klimaveränderung sind“ berichtet der württembergische Umweltbeauftragte über den diesjährigen Tagungsschwerpunkt. Die Teilnehmenden von reformierten, lutherischen, römisch-katholischen, hussitischen, anglikanischen, orthodoxen und weiteren Kirchen und Glaubensgemeinschaften aus ganz Europa eint die Überzeugung, dass die gravierenden Folgen des Klimawandels die christlichen Kirchen zu entschlossenem Handeln und Einsatz zur Bewahrung der Schöpfung herausfordert: „The churches and faith communities of europe have a role and a voice in responding to climate change”.

In Fachvorträgen, Foren und Arbeitsgruppen wurde deutlich, dass die Klimaveränderungen durch menschliche Aktivitäten verursacht sind. Ohne konsequentes Handeln werden sich die Folgen stärker auswirken, als noch vor wenigen Jahren befürchtet und vor allem die Ärmeren stärker betreffen als die Verursacher. Noch in diesem Jahrhundert werden sich gravierende Auswirkungen auf die weltweite Ernährungssituation und Trinkwasserversorgung, die Artenvielfalt und die Stabilität der Ökosysteme ergeben. Aus christlicher Perspektive ruft der Klimawandel zur Bewahrung der anvertrauten Schöpfung Gottes auf und muss darüber hinaus auch als Frage der sozialen und der weltweiten Gerechtigkeit sowie als Herausforderung für die Gerechtigkeit zwischen heutigen und zukünftigen Generationen gesehen werden. Alle Tagungsteilnehmer werden sich in ihren Kirchen dafür einsetzen, dass dem Klimawandel verstärkt entgegen getreten wird.

Am Ende der ECEN-Tagung wurde auf die aktuell diskutierten Klimaschutzziele der EU Bezug genommen und ein gemeinsamer Appell verabschiedet. Dieses Papier des europäischen Umweltnetzwerkes christlicher Kirchen richtet sich im Vorfeld der Weltklimakonferenz 2015 in Paris an die Europäische Union. Es unterstreicht unter der Überschrift „engagement, education, ethics – inseparable elements of climate politics“ die Notwendigkeit zu einem konsequenten Eintreten für den Klimaschutz. Die EU wird darin aufgefordert in den Verhandlungen zum Weltklimarat 2015 in Paris eine führende Rolle einzunehmen, ambitionierte CO2-Minderungsziele zu verabschieden, Energiesparen und die Nutzung erneuerbarer Energien zu verstärken sowie Richtlinien für den Rückzug von Anlagekapital aus dem Bereich fossiler Brennstoffe zu entwickeln.

Die nächste Tagung des ECEN-Netzwerkes findet turnusmäßig in zwei Jahren statt. In der Zwischenzeit wird die Arbeit in mehreren thematischen Gruppen weitergeführt. Der Umweltbeauftragte der württembergischen Landeskirche wirkt in der Arbeitsgruppe „Biodiversität und Naturschutz“ mit.