11.02.15

Eine Gemeinde macht ernst

Beim Energiemanagement überwacht die Kirchengemeinde den Energieverbrauch ihrer Gebäude und wertet die Daten jährlich aus. So erfährt die Gemeinde, wie viel Energie sie wofür verbraucht, und bekommt einen konkreten Überblick darüber, wie sie Energiesparmaßnahmen einfach umsetzen kann. Renate Walter hat mit Renate Schwenkel, Kirchenpflegerin der evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart Nord, gesprochen, die sich bereits seit 2007 mit dem Thema Energiemanagement befasst.

Renate Schwenkel, Kirchenpflegerin der evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart Nord [Foto: privat]

Renate Schwenkel, Kirchenpflegerin der evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart Nord [Foto: privat]

Renate Walter: Wie ist bei Ihnen das Energiemanagement organisiert? 
Renate Schwenkel: Jeder Hausmeister hat für jedes Gebäude einen Erfassungsbogen, in dem alle Zähler aufgeführt sind. Diese Daten werden monatlich von ihm abgelesen. Wir haben drei ehrenamtliche Energiebeauftragte, die jeweils für zwei Gebäude verantwortlich sind. Die Energiebeauftragten erfassen die Zählerwerte im Grünen Datenkonto (eine einfache Energiemanagement-Software)  und schauen sich auch die Auswertungen für ihre zwei Gebäude an. Wenn sie Auffälligkeiten feststellen, informieren sie mich. Einmal jährlich gibt es ein Treffen aller Beteiligten. 

Walter: Wie hoch ist der Aufwand, der dafür betrieben werden muss? 
Schwenkel: Der größte Aufwand war, das System zum Laufen zu bringen. Die Hausmeister mussten überzeugt, die Zählerlisten erstellt, Ehrenamtliche mussten gefunden und geschult, Zähler mussten im Grünen Datenkonto angelegt werden. Jetzt ist der Aufwand für jeden überschaubar. 

Walter: Und wie viel von dem Aufwand bleibt an Ihnen hängen? 
Schwenkel: Ich habe – wenn alles läuft – fast keinen Aufwand, im Gegenteil. Wenn ich schnell wissen will, ob eine Jahresabrechnung stimmt, kann ich im Datenkonto nach dem Zählerstand schauen. Wenn Zähler gewechselt werden, muss ich daran denken, die Erfassungsbögen zu aktualisieren und im Grünen Datenkonto einen neuen Zähler anzulegen. Natürlich schaue ich mir die Auswertungen an, stehe den Energiebeauftragten als Ansprechpartner zur Verfügung und organisiere einmal jährlich ein Treffen. 

Walter: Und wie sieht es mit den anderen Beteiligten aus? 
Schwenkel: Die Hausmeister brauchen pro Monat etwa zehn Minuten, die Energiebeauftragten vielleicht 15 Minuten für die Erfassung und eine kurze Kontrolle, ob es Auffälligkeiten gibt. 

Walter: Wie haben Sie die ehrenamtlichen Energiebeauftragten gefunden? 
Schwenkel: Wir haben gezielt Gemeindeglieder angesprochen, die mit dem Computer umgehen können und in der Nähe der Gebäude wohnen. Und wir haben Ihnen genau gesagt, mit welchem Zeitaufwand sie rechnen müssen.

Walter: Was hat Ihre Gemeinde davon, monatlich Zahlen zu sammeln? 
Schwenkel: Wir können unseren Energieverbrauch genauer analysieren. Wir sehen, wenn es auf einmal große Abweichungen gibt – zum Beispiel hatten wir in einer Kirche die Situation, dass eine Heizung defekt war und durchlief. Das hätten wir sonst erst sehr viel später gemerkt. Ein ganz wichtiger Punkt ist auch: Durch die monatliche Erfassung fühlen sich jetzt mehr Personen verantwortlich – Hausmeister, Energiebeauftragte, Pfarrer. Jeder weiß, der Energieverbrauch wird monatlich sichtbar. 

Walter: Was würden Sie anderen Kirchengemeinden raten, die überlegen, mit dem Energiemanagement zu beginnen? 
Schwenkel: Es braucht jemanden, der die Initiative ergreift und die Sache voranbringt. Der oder diejenige sollte sich dann ein Team suchen. Das ist ganz wichtig: Es sollte nicht alles an einer Person hängen. Teilen Sie die Aufgabe! 

Walter: Als Fazit: Lohnt es sich, das Energiemanagement einzuführen? 
Schwenkel: Auf jeden Fall! Es ist ökologisch sinnvoll und wichtig für unsere Zukunft, es spart Kosten, es gibt Überblick und es hilft, das Thema im Bewusstsein zu halten, es nicht über all den anderen Themen zu vergessen. Der Aufwand ist überschaubar, und man hat eine Grundlage für Entscheidungen. Ich möchte noch mein Lieblingszitat zum Thema „Warum soll gerade ich mir die Mühe machen?“ weitergeben: „Was alle angeht, können nur alle lösen.“ (Friedrich Dürrenmatt.)

Walter: Vielen Dank für das Gespräch.

Ein Interview aus den "Nachrichten der Vereinigung der evangelischen Kirchenpfleger und Kirchenpflegerinnen in Württemberg e.V." (Ausgabe 3 | 2014).

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