28.05.14

"Energiemanagement muss selbstverständlich werden"

Fünf Jahre lang hat das Umweltbüro der Landeskirche mit dem Projekt „Energiemanagement“ Kirchengemeinden dabei unterstützt, Energiesparmaßnahmen in ihrer Gemeinde einzuführen. Etwa die Hälfte aller Kirchengemeinden hat sich daran beteiligt und damit im ersten Jahr jeweils rund 1.000 Euro an Energieausgaben eingespart. Projektleiter Benedikt Osiw (35) führt das Projekt nun für vier Jahre weiter. Jens Schmitt hat mit ihm gesprochen.

Titelbild des Energiemanagement-Projektberichts, der im Download-Bereich zu finden ist.

Titelbild des Projektberichts 2009-2014

Elk-wue.de: Lassen wir die fünf Jahre des Projekts Energiemanagement kurz Revue passieren!
Benedikt Osiw:
Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Ungefähr 600 Kirchengemeinden haben das Energiemanagement bei sich eingeführt. Die Auswertung zeigt, dass diese Gemeinden tatsächlich Energie und Geld eingespart haben. Das ist für mich ein Zeichen, dass unsere Überlegungen nicht so schlecht gewesen sein können.

Elk-wue.de: Sie haben etwa die Hälfte der Kirchengemeinden für Ihr Projekt gewinnen können. Was ist mit den restlichen knapp 800 Gemeinden?
Osiw:
Das Energiemanagement ist für die Kirchengemeinden freiwillig. Wenn eine Gemeinde sich nicht an dem Projekt beteiligt, liegt das in der Regel daran, dass es so viele Pflichtaufgaben zu erledigen gibt. Für freiwilliges Engagement gibt es oft weder genug Personal noch ausreichend Zeit. Hier zur Stelle zu sein, ist eine meiner Hauptaufgaben.

Elk-wue.de: Wie sieht das in der Realität aus?
Osiw:
Es ist wichtig, das Energiemanagement optimal in die Arbeitsabläufe einer Kirchengemeinde zu integrieren. Das Thema kann keiner einzelnen Berufsgruppe zugeordnet werden. Ich führe also viele Gespräche mit Mesnern, Hausmeistern, Kirchengemeinderäten, Verbänden und verschiedenen Berufsgruppen, um zu klären: Wie kann das Ganze funktionieren, ohne dass ich Einzelne in ihrem Aufgabenbereich überlaste?

Elk-wue.de: Und wie erreicht man dieses Ziel?
Osiw:
Energiemanagement ist dort besonders erfolgreich, wo Kirchenbezirke Strukturen entwickeln, die die einzelnen Kirchengemeinden unterstützen. In manchen Bezirken gibt es ehrenamtliche Arbeitskreise zum Thema, in anderen gibt es regelmäßig Energiestammtische, um sich untereinander auszutauschen. Andere Kirchenbezirke engagieren externe Fachkräfte, die einmal im Jahr den Verbrauch der Gemeinden analysieren. Wenn der Profi berichtet, wegen welcher Maßnahmen der Energieverbrauch sich wie entwickelt hat, hat das oftmals mehr Gewicht. In anderen Bezirken wird in der Synode in regelmäßigen Abständen über die Entwicklung des Energieverbrauchs gesprochen.

Elk-wue.de: Das Energiemanagement beschränkt sich auf Strom, Wärmeenergie und Wasserverbrauch. Zum „Grünen Gockel“, dem umfassenden Umweltmanagement der Landeskirche, gehört jedoch mehr.
Osiw:
Ja! Da kommen noch Themen wie Abfall, Lärm, Reinigung, Mobilität, Büro und Papier hinzu. Wie bewege ich mich umweltbewusster fort? Wie lassen sich Arbeitswege optimieren, Fahrgemeinschaften bilden? Oder den Bereich Einkauf: Welches Papier kaufe ich für Flyer und sonstige Broschüren? Wo lasse ich die herstellen? Wie sieht der Materialeinkauf für Gruppen und Kreise aus?

Elk-wue.de: Wie steht es um die Verzahnung dieser beiden Systeme, Energiemanagement und Umweltmanagement?
Osiw:
In den nächsten vier Jahren möchten wir erreichen, dass die Gemeinden leicht vom Energiemanagement auf das Umweltmanagement aufstocken können. Das hat sich in der Praxis als aufwändiger erwiesen, als wir ursprünglich gedacht haben.

Elk-wue.de: Wieso?
Osiw:
„Der Grüne Gockel“ basiert auf dem europäischen Umweltmanagement, das Energiemanagement ist ein Eigengewächs der Landeskirche. Wir haben das Energiemanagement ganz auf die Bedürfnisse der Gemeinden zugeschnitten. In den nächsten Jahren werden wir den Übergang zu dem umfassenden europäischen System bei unseren Überlegungen besser in den Blick nehmen. Es beginnt schon bei so simplen Dingen wie der Datenerfassung. Die Umstellung auf unsere Datenbank „Das Grüne Datenkonto“ fällt schwer, wenn die Erfassung mit Excel-Listen begonnen wurde. Hier werden wir Umzugshilfe leisten.

Elk-wue.de: Das sieht so aus, als ob man die Kirchengemeinden mit dem Energiemanagement an die Thematik heranführt, um ihnen so weitere Maßnahmen schmackhaft zu machen. Das Energiemanagement quasi als Einstiegsdroge zum umfassenden Umweltbewusstsein?
Osiw:
Das Wort verwenden wir auch immer mal wieder. Dabei ist es weitaus mehr als nur eine Einstiegsdroge. Mit dem Energiemanagement hat man die größten umweltrelevanten Bereiche abgedeckt: Strom, Wasser, Heizung. Hier ist es am einfachsten, Geld einzusparen. Wenn man das gepackt hat, fällt es leicht, auf das Umweltmanagement aufzustocken. In diesem Sinne kann man es schon so sehen, aber ich würde mich wehren, es als bloßen Einstieg abzutun, weil es doch Einiges bewirkt.

Elk-wue.de: Klappt das denn wie gewünscht?
Osiw:
Wir haben gehofft, dass die Gemeinden mit einem kleinen System anfangen und dann feststellen: Das ist ja ganz einfach, da können wir noch eine Schippe drauflegen. Unsere Erfahrung zeigt aber, dass sie mit dem Energiemanagement anfangen und sich mit den Einsparungen zufrieden geben. Wir wollen den Kirchenbezirken zeigen, dass es sich lohnt weiterzumachen.

Elk-wue.de:  Welche Ziele verfolgt das Umweltbüro der Landeskirche mit dem Energiemanagement, wenn wir die nächsten vier Jahre ins Auge nehmen?
Osiw:
Wir möchten, dass möglichst viele Kirchengemeinden ihren Energieverbrauch kontrollieren und ihn auf einem niedrigen Level halten. Der Preis pro Kilowattstunde steigt kontinuierlich. Wenn die Gemeinden es schaffen, jedes Jahr das Gleiche auszugeben, obwohl der Preis hochgeht, dann ist schon viel erreicht. Dann wollen wir unsere Netzwerke natürlich vergrößern und in den Bezirken noch präsenter werden. Ich persönlich wünsche mir, dass in vier Jahren das Energiemanagement der Landeskirche zum selbstverständlichen Handeln gehört: Wer öffentliche Gebäude besitzt, betreibt auch Energiemanagement.

Elk-wue.de: Herr Osiw, vielen Dank für das Gespräch!

 

Informationen zum Energiemanagement finden Sie hier