Artenschutzveranstaltung „Hilfe für gefiederte Kirchgänger" – Fachtagung Sanierung und Artenschutz

Bild: Monika Schäfer-Penzoldt

Sehr große Resonanz fand die Artenschutzveranstaltung „Hilfe für gefiederte Kirchgänger" – Konflikte zwischen Gebäudeerhaltung und Tierbesiedlung“ für ArchitektInnen und Mitarbeitende in Bauämtern und Kirchenpflegen am 17. November 2017 im Hospitalhof in Stuttgart.
Zu dieser Fachtagung hatten der Umweltbeauftragte Klaus-Peter Koch zusammen mit Dipl. Ing. Architekt Gerald Wiegand von der Bauberatung des Oberkirchenrates eingeladen.

Es zeigte sich, dass der Artenschutz kein Hemmnis sein muss, wenn Bau- und Sanierungsarbeiten, auch aus Sicht des Artenschutzes, rechtzeitig geplant werden und alle Partner, wie z. B. Naturschutzbehörden und Artenschützer, frühzeitig mit einbezogen werden. Sehr anschaulich stellten Dipl. Ing. (FH) Conrad Fink, BUND-Stadtverband Freiberg und Dipl. Ing. (FH) Christian Müller vom Architekturbüro Kiefner und Müller die rechtlichen Vorgaben bei einer vorbildlichen Turmsanierung in Freiberg a. N. vor und zeigten auf was diese für das praktische Vorgehen (Einbeziehung aller Partner....) bedeuten und wie bedrohte Vogelarten wie Dohlen und Mauersegler auf Dauer kirchliche Untermieter bleiben können.

Ebenfalls sehr praxisnah ging es weiter mit Dr. Dipl.-Biol. Christian Dietz, Biologischem Fachgutachter, internationalem Fledermausforscher und Buchautor aus Haigerloch. Er informierte sehr praxisnah wie man Tauben tíerschutzgerecht und gleichzeitig erfolgreich den Zugang zur Kirchtürmen und Dachstühlen verwehren kann und zugleich die Kirche für Fledermaus und Falke offen lassen kann. Dr. Dietz stellte zudem kurz das Modell der betreuten Taubenschläge von Stadttauben Stuttgart e. V. vor. Zwei solcher betreuten Taubenschläge gibt es z.  B. im Dach der Leonhardskirche in Stuttgart.

Besondere Beachtung fand bei den 70 Tagungsteilnehmern auch der letzte Teil der Tagung in dem es um die Berücksichtigung des Artenschutzes beim Anstrahlen und der Beleuchtung von Kirchengebäuden ging.

Dr.-Ing. Matthias Engel vom Projekt "Sternenpark Schwäbische Alb" stellte anhand vieler konkreter Beispiele dar, wie man mit optimierter Beleuchtung dafür sorgen kann, dass uns auch in Zukunft sternenklare Nächte erhalten bleiben.

Wie lebensnotwendig die richtige, bzw. keine Beleuchtung für Fledermäuse ist zeigte Ingrid Kaipf, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg: Es kann das Ende einer Fledermauskolonie bedeuten, wenn der Handwerker nach Reparaturarbeiten im  Kirchenschiff vergisst das Licht auszumachen. Sehr problematisch ist es auch, wenn eine Kirche, in der sich eine Fledermauskolonie befindet, plötzlich von außen beleuchtet wird. Daraus folgen verkürzte Zeiten in denen die Fledermäuse auf Insektenjagd gehen können und zudem ein erhöhtes Risiko dass die Fledermäuse von Eulen und Falken erbeutet werden.

Dipl. Biol. Sybille Winkel vom NABU Main-Kinzig-Kreis plädierte in einem sehr engagierten Vortrag für angepasstes Licht und bewusste Beleuchtung zum Schutz bedrohter Vogelarten. Sie zeigte anhand konkreter Beispiele wie Vögel durch nicht angepasste Beleuchtung gefährdet sind und oft auch in großer Zahl zu Tode kommen. Abschließend machte Sybille Winkel noch auf das Insektensterben aufmerksam: "Selbst der beste Brutplatz und das Lichtmanagement nützen wenig, wenn beim Vogelnachwuchs die Mägen leer bleiben". 

Die Tagung wurde von der Architektenkammer als Fortbildungsangebot anerkannt.