„Diakonie an der ganzen Schöpfung“


Diakonie an der ganzen Schöpfung: Mit diesem Leitwort hat die Evangelische Landeskirche in Württemberg seit 1980 ihre Umweltarbeit aufgebaut und sie als bewussten Akt ökumenischen Lernens betrieben.

Beides zeigt sich in ihren „Leitlinien zur Umweltarbeit”, die im September 1996 als Broschüre erscheinen.

Das Leitwort „Diakonie an der ganzen Schöpfung” drückt aus:

  • Wir Menschen schulden der ganzen Schöpfung unsere Zuwendung und Fürsorge, weil sie eigene Rechte von und vor Gott besitzt. Es geht nicht allein darum, dass alle Menschen die natürlichen Ressourcen gleichberechtigt nutzen können. Wir begründen diese Sicht aus der Bibel von Genesis bis Offenbarung.

  • Dieses Verständnis für unsere Mitwelt und die Natur um uns (und in uns!) überwindet die Anthropozentrik, die die europäische Verhaltenswissenschaften und Ökologie Geistesgeschichte mit und seit Descartes bestimmt hat, und das damit verbundene rationalistische Natur-und Menschenbild.

  • Dieses neue Bewusstsein ist am besten (oder nur) durch einen neuen Umgang mit der Schöpfung und unserer Umwelt zu lernen und zu üben. Diese Praxis pietatis sehen wir als Substanz (nicht nur Kontext!) eines neuen theologischen Verständnisses von Schöpfung, Mensch und Natur.

Wir verfolgen mit dieser Arbeit drei Ziele:

  • Wir wollen Christen zum umweltgerechten Verhalten in ihrem eigenen Leben und dem aller kirchlichen und diakonischen Einrichtungen hinführen.

  • Wir wollen über die Kirche und ihre Mitglieder helfen, dass sich Bewusstsein und Verhalten von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik ändern.

  • Wir wollen neue Anstöße für das Leben der Ecclesiasemper reformanda und ihrer Theologie geben. Wir möchten die theologische Tradition überwinden, die das gesetzlichnormative Denken der modernen Wissenschaft und seine essentialistischen und nomologischen Grundlagen teilt und legitimiert hat. Wir entsprechen so einem historischen Verständnis von Christsein und Kirche, das pluralistisch statt normativ denkt und in Verkündigung und Lehre das Narrative für tragfähiger ansieht als das Dogmatische.

 


Auszug aus einem Vortrag bei einer Tagung der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft von Prof. Dr. von Wahlert

https://opus4.kobv.de/opus4-Fromm/files/22468/Wahlert_G_von_1996.pdf