Tauben

Zeichnung einer Haustaube von Martin Klatt

Haustaube

Stadttauben sind heute in jeder größeren Stadt heimisch. Spricht man von ihnen, so ist meist nur die Rede von Problemen und Schäden. Tauben haben auch einen Symbolwert. So steht die Taube an Pfingsten für den Heiligen Geist. Die Taube, die am Ende der Sintflut Noah einen grünen Ölzweig bringt (1 Mose 8, 10-12), kündigt den göttlichen Frieden an und Picassos Friedenstaube wurde nach dem 2. Weltkrieg zum Symbol der Friedensbewegung.

Vor 1930 waren Stadttauben kein Problem. Sie wurden vom Menschen als Haus- und Nutztiere in privaten Taubenschlägen gehalten, galten als hochgeschätztes "Rennpferd des kleinen Mannes". Durch die zunehmende Industrialisierung und die beiden Weltkriege verloren die Haustauben dann jedoch ihren Nutzen für den Menschen und viele Taubenhalter konnten sich die Versorgung ihrer Tiere schlichtweg nicht mehr leisten. So landeten die Tauben in unseren Städten, wo sie sich in den Folgejahren durch unserer Wohlstandsgesellschaft stark vermehren konnten. Abfälle an Imbiss-Ständen, Brotreste auf Schulhöfen, Marktabfälle, Getreidereste an Brauereien oder Mühlen haben zu einer unkontrollierten Vermehrung der Tauben geführt. Vor allem durch die ihnen angezüchteten Haustiergene, brüten sie das ganze Jahr über und ziehen unabhängig von Nahrungsangebot und Saison Nachkommen auf. Diese Übervölkerung führt zu sozialem Stress, slumartigen Lebensbedingungen und somit auch zu Krankheiten unter ihnen.

Die gesellig brütenden Tiere suchen geschützte Nist- und Schlafplätze in den Häuserschluchten unserer Städte. Sie finden diese an älteren, reich strukturierten Gebäuden, in Speichern, in Glockenstühlen von Kirchtürmen, an Tragkonstruktionen von Brücken, auf Simsen und unter Dachvorsprüngen. Der Lebensraum der Vögel erinnert an die natürlichen Strukturen der felsigen Berghänge und Steilküsten ihrer Vorfahren. Die Felsentaube gilt als Stammform der Stadttaube.

Eine Konzentration von Tauben in Stadtzentren führt oft zu Verschmutzung und von Gebäuden, Gehsteigen und Hausfassaden oder zu Verstopfung von Dachrinnen durch Taubenkot und Federn. Tauben gelten auch als Überträger von Krankheiten und somit als Gefahr für den Menschen. Tatsächlich ist, nach Meinung unabhängiger Fachleute, das Krankheitsrisiko durch Stadttauben nicht höher als durch andere Vögel. Bestätigt wurde das 1997 durch das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, welches den Staus der Stadttaube als Schädling offiziell aufhob.

Es sind verschiedene Methoden zur Regulierung der Stadttaubenbestände bekannt: Abschuss, Vergiftung, Ovulationshemmer, Ultraschall oder mechanische Abwehrmaßnahmen. Diese Maßnahmen sind auf Dauer unwirksam und zum Teil mit Qualen für die Tauben verbunden. Sie sind deshalb aus tierschutzrechtlichen und ethischen Gründen abzulehnen und auch zum Großteil in Deutschland nicht mehr zugelassen.

Manchmal sind auch andere Tierarten betroffen. Das Aussperren der Tauben z.B. durch engmaschige Gitter vernichtet oft auch Quartiere und Wochenstuben von Fledermäusen oder zerstört Brutstätten für bedrohte Vögel wie Dohlen oder Schleiereulen.

Die Reduzierung des Nahrungsangebotes in den Innenstädten kann am ehesten zu einem Rückgang der Taubenbestände führen. Wobei ein totales Fütterungsverbot nicht sinnvoll ist. Es wird nicht akzeptiert und für viele, vor allem ältere Menschen, ist Taubenfüttern eine Aufgabe, es bietet Beschäftigung und hilft aus der Einsamkeit.

Eine zunächst widersinnig scheinende Lösung für das Problem ist die Schaffung von Wohnraum für die Tiere durch Taubenschläge in Gebäuden, Taubenhäusern oder -türme sowie die Einrichtung von Futterplätzen. Dieses hat mehrere Vorteile:

1. Der Taubenbestand kann kontrolliert und gesunderhalten werden. Die Anzahl der brütenden Tauben und ihres Nachwuchses wird gezielt durch den Austausch befruchteter Eier gegen Gips-attrappen auf umweltschonende und tierfreundliche Art reguliert.

2. Die Tauben konzentrieren sich an einem vorgesehenen Ort. Die Tiere weichen nicht in andere Bruträume aus. Dadurch wird die Verschmutzung von Gebäuden verringert.

3. Taubenfreunde können an den dafür vorgesehenen Stellen mit ausgewogenem Futter füttern. Dies dient der Gesundheit des Taubenbestandes. Soziale Aspekte des Kontaktes zwischen Mensch und Taube sind so berücksichtigt.

Dipl.-Biol. Christian Roeder / Anne Pieplow