Tierschutzpreis und landeskirchlicher Preis an Ehrenamtliche beim Stuttgarter Stadttaubenprojekt

Das Projekt Stadttauben Stuttgart wurde 2015 mit dem Tierschutzpreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Damit wird auch das langjährige unermüdliche Engagement von Heinz Rittberger, Kirchengemeinderat an der Leonhardsgemeinde Stuttgart, und unermüdlicher Fürsprecher für die Tauben, gewürdigt. Ebenfalls gewürdigt wurde hiermit auch die ehrenamtliche Mitarbeiterin Anne P., Preisträgerin beim Landeskirchlichen Wettbewerb „Kirche macht was. Aus Deiner Idee“, stellvertretend für alle weiteren ehrenamtlichen MitarbeiterInnen.

Mit dem Tierschutzpreis werden alle zwei Jahre vom Land Baden-Württemberg engagierte Bürgerinnen und Bürger ausgezeichnet, die sich unermüdlich und nachhaltig zum Wohl der Tiere im Land einsetzen. Der alle zwei Jahre verliehene Tierschutzpreis ist mit 5.000 Euro dotiert und wurde zu gleichen Teilen, also jeweils in Höhe von 1.000 Euro, an die fünf gleichrangigen Preisträgerinnen und Preisträger vergeben.

Als Anne P. von dem offenen Ideenwettbewerb der Evangelischen Landeskirche anlässlich des 500. Reformationstages las, erwuchs in ihr schnell der Wunsch mit einem Konzept *Kirche-Taube-Mensch* teilzunehmen. Die Taube ist ein symbolbehaftetes Tier, steht für Frieden und Treue. Die Kirchen in Württemberg, könnten also doch nach dem Vorbild der Leonhardskirche in oder auf ihren Dächern ebenso Taubenschläge einrichten, so ihr Wunsch. Damit wäre ein Zeichen gesetzt und Gottes Auftrag, uns um unsere Mitgeschöpfe zu kümmern erfüllt. Als ein Zeichen für Menschlichkeit und Respekt vor dem Leben selbst.

Zudem ist das Projekt Stadttauben Stuttgart, das passender Weise beim Tierschutzverein Stuttgart angesiedelt ist, eine Anlaufstelle für Bürger, wenn es um verletzte, kranke und/ oder eingeschlossene Tauben oder verwaist aufgefundene Küken im Großraum Stuttgart geht. Die ehrenamtlichen Helfer besehen sich vor Ort die Situation und versuchen zu helfen - so gut es möglich ist. Dank eines kleinen, aber funktionierenden Netzwerkes von Ehrenamtlichen und der großartigen Hilfe einiger sehr engagierten, privaten Pflegestellen können in manchen Fällen kranke Stadttauben direkt durch das Projekt medizinisch versorgt und wieder aufgepäppelt werden. Sind diese Kapazitäten erschöpft, stehen sie dennoch jedem gerne mit Tipps zur weiteren Vorgehensweise bzw. Versorgung der Tiere zur Verfügung (Tierärzteliste) oder helfen bei der Vermittlung in fachkundige Hände.

Weitere Infos:

www.stadttauben-stuttgart.de

https://www.facebook.com/stadttauben/

 

 

Kirchenasyl für Stuttgarter Stadttauben

Tauben im Taubenschlag der Stuttgarter Leonhardskirche.

Foto: Monika Schäfer-Penzoldt

Auf dem Dachboden des Turms der Stuttgarter Leonhardskirche sind auf Inititiative von Heinz Rittberger zwei Taubenschläge mit jeweils 400 Dauergästen eingerichtet worden. Durch Austausch der Eier gegen Eierattrappen aus Plastik wird die Vermehrung der Population gebremst. 2013 wurden z. B. 1482 Eier ausgetauscht. Dadurch, dass ein Großteil des Kotes im Taubenschlag abgesetzt wird, verringert sich zudem das Kotproblem in der Umgebung. Die Taubenbestand wird durch artgerechtes Futter und regelmäßige Desinfektion gesund gehalten. Kranke Tiere werden gesundgepflegt.

Zehn Jahre musste Herr Rittberger Überzeugungsarbeit leisten, bis 2009 der erste Taubenschlag auf dem Dach der Leonhardskirche eröffnet wurde, 2011 kam der zweite dazu. Eine beispielhafte Kooperation von Kirchengemeinde, Landeshauptstadt, Tierschutzverein und dem Caritas-Verband, sorgt für diese beiden Taubenschläge an der Leonhardkirche sowei weitere Schläge in Stuttgart (Stuttgarter Stadttaubenprojekt).

Ein schönes Symbol für die Ehrfurcht vor dem Mitgeschöpf Tier. Dieser Gedanke nahm nämlich von der Leonhardskirche aus seinen Anfang. Christian Adam Dann, der Wegbereiter des ersten Tierschutzvereins in Deutschland wirkte in der Leonhardsgemeinde als Pfarrer. Nach seinem Tod gründete dann schließlich Albert Knapp, der ebenfalls Pfarrer an der Stuttgarter Leonhardskirche war, den Stuttgarter Tierschutzverein.

Weitere Infos:

Projektmappe Kirche-Taube-Mensch (PDF-Dokument zum Download - 4,9 MB)

www.stadttauben-stuttgart.de

www.facebook.com/stadttauben

 

 

 

Heinz Rittberger bei einem Kontrollgang. Die Tauben werden mit Körnerfutter und mit Anis versetztem Grit (Mineralstoffe), sowie frischem Wasser versorgt. Die gelegten Eier werden eingesammelt und gegen Plastikeier ausgetauscht. Kranke oder verletzte Tiere werden in einer eigens eingerichteten Krankenstation separiert und versorgt.

Foto: Monika Schäfer-Penzoldt

Hochzeits-Tauben

Leider sind die weißen Tauben als Friedens-, Treue-, Glücks- und Liebessymbol sehr in Mode gekommen, nicht zuletzt durch einschlägige Fernsehsendungen. Dabei gibt es doch auch wunderschöne Hochzeitsrituale, die nicht mit dem Tierschutz kollidieren, z. B. das gemeinsame Pflanzen eines Bäumchens. 

Am besten wäre natürlich auf den Brauch der Hochzeits-Tauben gänzlich zu verzichten. Denn es ist nicht auszuschließen, dass bei diesem Anlass Tiere zu Schaden kommen, erstens weil sie nicht nach Hause zurückfinden und zweitens weil sie von Habicht, Marder oder Fuchs erbeutet werden. Zudem trugen und tragen verwilderte Brieftauben nicht unerheblich zum Problem der Stadttauben bei. Falls aber ein Brautpaar bzw. deren Gäste unbedingt Hochzeitstauben wünscht, sollten zumindest Hochzeitstauben von einem seriösen Züchter genommen werden, der dem Verband Deutscher Brieftaubenzüchter angeschlossen ist und der in der Nähe seinen Taubenschlag hat (höchstens 50 bis 100 km entfernt). Natürlich sollte beim Züchter vor Ort auf Haltung, Gesundheitsvorsorge (Impfungen...), korrekte Beringung etc. geachtet werden. Auf keinen Fall dürfen die Tauben per Post zum Veranstaltungsort zum Selbstauflassen geschickt werden sondern sollen direkt vom Halter angeliefert werden.

Der Halter sollte sich anschließend auch um die verirrten /verunglückten Vögel kümmern, das heißt diese Adresse / Telefonnummer sollte vorliegen. Zudem dürfen die Tauben natürlich nicht im Winter, bei schlechtem Wetter, Nebel oder abends aufgelassen werden. Gut und regelmäßig ausgebildete weiße Brieftauben haben zumindest eine gute Chance zum Züchter zurückzufinden. Während die Billigangebote in der Regel gar nicht ausgebildet (reine Zuchttiere) sind und schon gar nicht artgerecht gehalten wurden. Da ist der Verlust gleich einkalkuliert. Vor allem sollten es unbedingt Brieftauben sein und z. B. keine Pfautauben oder Lachtauben (bzw. Einkreuzungen), da diese Rassen dafür nicht geeignet sind und die freigelassenen Tiere als Einwegartikel dann elend zugrunde gehen.