Häufig gestellte Fragen zum Klimaschutzkonzept der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

Weshalb ein Klimaschutzkonzept?

Klimaschutz ist eine der großen Zukunftsherausforderungen zur Bewahrung der Schöpfung. Ein Klimaschutzkonzept besteht aus der Klimabilanz und einem Maßnahmenplan. Die Klimabilanz dokumentiert die Fortschritte in Sachen Klimaschutz. Mit dem Maßnahmenplan werden Wege und Ansätze für zukünftige Klimaschutzanstrengungen aufgezeigt. Das Konzept zeigt Entscheidungsträgern auf allen Ebenen und in allen Bereichen unserer Landeskirche, welche Potenziale zu klimafreundlichem Handeln bestehen und wie eine klimaneutrale Landeskirche erreicht werden kann.

Wie wird eine Klimabilanz erstellt?

Die Entwicklung des Energieverbrauchs und wesentlicher Angaben zu Mobilität und Beschaffung werden im Vergleich über mehrere Jahre erhoben. Daraus wird in einem einheitlichen Verfahren die Klimabilanz unserer Landeskirche berechnet. Das Berechnungsverfahren ist in einer ökumenisch abgestimmten Anleitung für kirchliche Klimaschutzkonzepte festgelegt. So ist die Größe des CO2-Fußabdruckes unserer Landeskirche mit dem Ergebnis anderer Bilanzen vergleichbar.

Weshalb werden nicht nur Immobilien berücksichtigt?

Der Energieverbrauch unserer Gebäude hat an der Klimabilanz den größten Anteil. Aber die Art und Weise, wie wir unser Leben gestalten, wie wir unterwegs sind, was wir einkaufen oder wie wir uns ernähren, hat ebenfalls großen Einfluss auf den Klimaschutz. Unser Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung darf das nicht ausklammern. Es kommt darauf an, dass in unserer Landeskirche, in jeder Gemeinde, in jeder Dienststelle und im Alltag jedes Einzelnen klimafreundlich gehandelt wird. Beschaffung, Ernährung und Mobilität sind deshalb neben dem Bereich Immobilien wichtige Bestandteile der Klimabilanz.

Wie ist das mit privat genutzten Immobilien?

Im Gebäudebestand kann die Landeskirche durch geeignete Rahmenbedingungen viele Schritte zum Klimaschutz umsetzen und unterstützen. Die Verbesserung der Gebäudehülle kann bei privat genutzten Gebäuden (z.B. Pfarrhäuser, vermietete Liegenschaften) die Voraussetzung für einen geringeren Energieverbrauch schaffen. Der tatsächliche Verbrauch hängt in diesen Fällen jedoch sehr vom jeweiligen Nutzerverhalten ab. Gleichzeitig kann auch der sorgsamste Umgang mit Energie nur bei gutem Gebäudestandard und guter Haustechnik zu geringem Energieverbrauch führen.
Im Zuge der weiteren Fortschreibungen des Klimaschutzkonzeptes wird für privat genutzte Gebäude die Darstellung der Gebäudekennwerte ohne Verbrauchsdaten diskutiert. In der aktuellen Gesamtbilanz sind diese Immobilien mit entsprechenden Hochrechnungen als eigene Kategorie enthalten.

Müssen wir aus Klimaschutzgründen unsere Aktivitäten einschränken?

Nein! Selbstverständlich ist es gut, wenn sich viele Menschen aktiv in unser Gemeindeleben einbringen. Wir freuen uns, wenn unsere Gebäude gut genutzt werden. Es ist schön, wenn sich viele auf den Weg zum Gottesdienst machen und viele Kinder in der KiTa ein gutes Essen bekommen. Die Aufgabe ist nicht, durch möglichst wenig Aktivität die Klimabilanz zu „schönen“. Die Frage lautet: wie können wir unsere Angebote so gestalten, dass sie möglichst klimafreundlich sind? Das ist sicher eine Frage von Gebäudestandard und Haustechnik. Genauso wichtig sind richtiges Heizen und Lüften, Fahrgemeinschaften, ein klimagerechter Mittagstisch, ein bewusstes Leben im Genug und viele andere ganz praktische Möglichkeiten, die auch bei einem reichen Gemeindeleben einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Wird selbst erzeugter Strom in der Bilanz dargestellt?

Das kommt darauf an. Wird beispielsweise mit einer PV-Anlage Solarstrom erzeugt und selbst genutzt, geht dieser Anteil selbst genutzten Stroms direkt in die Bilanz ein. Wird dagegen selbst erzeugter Solarstrom ins Netz eingespeist, verringert das als Anteil Erneuerbarer Energien den Emissionsfaktor im bundesdeutschen Strommix. So wird die Bilanz aller Stromkunden verbessert. Dieser eingespeiste Strom leistet einen wichtigen Beitrag zur erforderlichen Energiewende und zum Klimaschutz.
Um den positiven Beitrag zu verdeutlichen, kann selbsterzeugter, aber nicht selbst genutzter Strom in der Bilanz gesondert dargestellt werden. Dies gilt auch für Beteiligungen an der Erzeugung von Öko-Strom.

Warum wird Ökostrom separat bilanziert?

Wir setzen mit dem hohen Anteil an Öko-Strom ein deutliches Zeichen für die Energiewende und den Klimaschutz. Im Vergleich zeigt sich der Effekt einer klimabewussten Energieerzeugung.
Eine vergleichende Darstellung ist notwendig, weil für Klimabilanzen grundsätzlich der bundesdeutsche Strom-Mix zugrunde gelegt wird. Der hat wie ein großer See verschiedene Zuflüsse: Strom aus konventionellen Kraftwerken, Wind-, Wasser- und Solarstrom. Wird Öko-Strom aus diesem See geschöpft, ändert das die Zuflüsse nicht – die sind aber bestimmend für den Emissionsfaktor der Stromerzeugung insgesamt und somit auch für unsere Klimabilanz. Ziel der Energiewende ist es, zukünftig den „Stromsee“ nur mit regenerativen Energien zu speisen. Dann ist eine separate Bilanz nicht mehr notwendig.

Sind Klima-Kompensationen moderne Ablass-Zahlungen?

Nicht, wenn die Kompensation über ein zertifiziertes Verfahren erfolgt und tatsächlich ein Ausgleich stattfindet. Dafür stehen beispielsweise die KlimaKollekte und andere Organisationen. Und wenn zweitens die Ausgleichszahlungen eine Zwischenlösung sind, die eigenes Handeln nicht ersetzen.
Nicht in allen Fällen ist eine schnelle Veränderung zur Klimaneutralität möglich. Dann verbleiben (noch) nicht vermiedene Treibhausgas-Emissionen, die Klimaveränderungen bewirken. In einem globalen Maßstab ist es dann sinnvoll, dies mit Ausgleichsmaßnahmen an anderer Stelle zu kompensieren. Kompensationszahlungen machen zudem bewusst, dass und wie viel die Treibhausgasemissionen zum Erreichen der Klimaneutralität gesenkt werden müssen. Mit einer Klimakompensation werden Treibhausgase in die Erstellung von Haushaltsplänen „eingepreist“, ähnlich wie bei einer CO2-Abgabe.

Wer setzt Maßnahmen zum Klimaschutz um?

„Den oder die Verantwortliche“ für das Erreichen der Klimaneutralität gibt es nicht. Das landeskirchliche Umweltbüro koordiniert die Fortschreibung des Klimaschutzkonzeptes und motiviert zu klimagerechtem Handeln. Klimaschutz gelingt nur, wenn die Bewahrung der Schöpfung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf allen Ebenen und in allen Bereichen unserer Landeskirche gelebt werden. Entscheidungsträger*innen in der Kirchenleitung, in den Kirchengemeinden, Einrichtungen oder Werken sind aufgefordert, sich in ihren jeweiligen Verantwortungsbereichen für Klimaschutz einzusetzen, notwendige Rahmenbedingungen zu schaffen und Schritte zum Klimaschutz zu unternehmen. Das Ziel der Klimaneutralität ist nicht nur Sache „der Oberen“. Sehr wichtig ist klimagerechtes Handeln auf der persönlichen Ebene. Jede*r ist aufgefordert sich für klimafreundliche Lösungen einzusetzen, Anregungen zu geben und selbst aktiv zu werden. Jede*r kann z.B. als Konsument klimafreundlichere Alternativen einkaufen oder neue Mobilitätsformen wählen. Jede*r ist herausgefordert sich zu fragen, was für ein gutes Leben tatsächlich angeschafft werden muss, ob nicht an der einen oder anderen Stelle ein „Weniger“ auch ein „Mehr“ an Lebensqualität ist.