Landeskirche unterstützt weltweite Klimaschutz-Aktion – Bewahrung der Schöpfung im Mittelpunkt

Die Schöpfung bewahren und mit einem verantwortungsbewussten Ressourcen-Umgang schonen – das ist ein grundsätzliches Anliegen auch der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Deshalb unterstützt die Landeskirche die für Freitag, 20. September, in ganz Deutschland geplanten „Fridays for future“-Aktionen und weltweiten Klimaschutz-Demonstrationen. Nicht nur das: Die Landeskirche hat ihre Gemeinden und deren Mitglieder aufgerufen, die Einladung der „Fridays for future“-Organisatoren „mit Kreativität anzunehmen und umzusetzen“, wie es Kirchenrat Dr. Frank Zeeb aus dem Oberkirchenrat der württembergischen Landeskirche formuliert.
So könnten die Gemeinden etwa um die Mittagszeit zu Andachten zur Schöpfungsbewahrung einladen und dafür die Glocken ab 5 vor 12 läuten lassen. Eine weitere Idee: Am Abend des 20. September könnte die Beleuchtung von Kirchen nach dem Vorbild der „Earth Hour“ symbolisch für eine Stunde abgeschaltet werden.
Hintergrund: Am 20. September wird es anlässlich der Sitzung des deutschen Klimakabinetts und des UN-Klimagipfels vom 21. bis 23. September in New York an vielen Orten große Demonstrationen geben.

Quelle: Oliver Hoesch, Sprecher der Landeskirche

Beteiligung am Aktionstag zum Klimaschutz am 20. September 2019 (Dr. Frank Zeeb)

Sehr geehrte Damen und Herren,
              liebe Schwestern und Brüder,

am 20.09.2019 wird es anlässlich der Sitzung des Klimakabinetts und des bevorstehenden UN-Klimagipfels in New York an vielen Orten große Demonstrationen von Fridays for future geben. Die Bewegung von Schülerinnen und Schülern, die sich um die Zukunft des Planeten Erde und der Umwelt sorgen, in der sie künftig leben werden, wird inzwischen von weiten Teilen der Bevölkerung getragen. Unter verschiedenen Titeln („Parents for future“, „Churches for future“ etc.) engagieren sich unzählige Menschen für den Klimaschutz.
Wir sind der Meinung, dass dies ein Kernanliegen der Kirche aufnimmt, nämlich die „Bewahrung der Schöpfung“. Die Welt als gute Gabe Gottes, die wir dem göttlichen Auftrag nach zu beschützen und zu bewahren haben, soll auch für künftige Generationen ein lebenswerter Ort sein, wie es nicht zuletzt die Endzeitschilderungen  der alttestamentlichen Propheten immer wieder neu zum Ausdruck bringen („Ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen, dass sie wachsen sollen wie Gras zwischen Wassern“ – Jesaja 44,3-4a).
Wenn die Organisatoren von Fridays for future (https://fridaysforfuture.de/allefuersklima/) auch die Erwachsenen und uns als Kirche ausdrücklich einladen, uns am 20.09.2019 zu beteiligen, dann regen wir an, dass die Kirchengemeinden diese Einladung mit Kreativität annehmen und umsetzen. Dies ist auch eine Möglichkeit, mit anderen gesellschaftlichen Akteuren ins Gespräch zu kommen und aufzuzeigen, dass „Kirche“ die Anliegen und Sorgen der Menschen ernst nimmt und genauso als gesellschaftliche Kraft wirksam ist. Auch wenn bei Fridays for future nicht ausdrücklich das Evangelium verkündigt wird, machen wir deutlich, dass die Botschaft von Gottes Liebe zur Welt und seiner Schöpfung nicht nur für enge Kirchenmauern bestimmt ist, sondern hinaus muss zu den Menschen.
Ein Vorschlag ist es, am Abend des 20.09. vergleichbar der Earth Hour die Beleuchtung und Anstrahlung von Kirchengebäuden auszuschalten (vgl. „Hilfe für gefiederte Kirchgänger“, die Broschüre aus dem Umweltbüro unserer Landeskirche, https://www.umwelt.elk-wue.de/ fileadmin/ mediapool/gemeinden/ E_umwelt_neu/ Download-Dokumente/Lebendige_Vielfalt/ Hilfe_fuer_gefiederte_Kirchgaenger.pdf, v.a. S. 42ff.). Diese Aktion ist allerdings nicht aus sich selbst verständlich, sondern sollte beworben und erläutert werden. Sicherlich ist es auch sinnvoll, sich mit der jeweiligen Kommune abzusprechen.
Ein Leitmotiv für den 20.09. lautet „fünf vor zwölf“ - die Aktionen, die das Ökumenische Netzwerk „Kirchen für Klimagerechtigkeit“ vorschlägt, finden Sie auf deren Homepage (www.kirchen-fuer-klimagerechtigkeit.de), einen Andachtsvorschlag sende ich in der Anlage mit. Nicht unpfiffig scheint mir auch die Idee, während dieser Andacht – soweit es technisch möglich ist – die Kirchturmuhren auf „fünf vor zwölf“ stehen zu lassen.
Uns erreichen zahlreiche Anfragen, ob das Läuten der Kirchenglocken nicht ein symbolisches Zeichen dafür sein kann, dass die Kirche die Sorgen der Menschen um das Klima teilt und zur Besinnung mahnt. Zwar lassen die Läuteordnungen der Gemeinden in der Regel – von wenigen durch Vertrag oder altes Herkommen bestimmten Ausnahmen abgesehen – das nicht zu, weil die Kirchenglocken aus guten Gründen nicht der Begleitung weltlicher Dinge dienen, sondern zum Gottesdienst und zum täglichen Gebet rufen. Aber eben dies können Sie ja tun: Zu einer Andacht, einem Mittagsgebet etc. einladen und entsprechend läuten.
In diesem Zusammenhang eine liturgische Bemerkung: Das Mittagsgebet der Kirche ist seit alters ein Friedensgebet, was heutzutage im Sinne des „Pilgerweges“ sicher auch den Aspekt der Klimagerechtigkeit umfasst. Insoweit ist das Mittagsläuten traditionell schon ein Denkanstoß in diesem Zusammenhang. Vielleicht kommt sogar eine Gruppe zusammen, die sich regelmäßig zum Mittagsläuten trifft, um für die Anliegen des Konziliaren Prozesses zu beten? Ansonsten ist es natürlich schön und wichtig, wenn die Glocken zum gemeinsamen Hören auf das Wort Gottes und zum Gebet in das Gotteshaus einladen.
Wir wünschen Ihnen Kreativität und gute Begegnungen beim Umgang mit diesem wichtigen Thema.

Mit herzlichen Grüßen
I h r
 
Dr. Frank Zeeb
 

Anregungen und Ideen für Aktivitäten von Kirchengemeinden zu den großen Fridays for future und Klimaschutz-Demonstrationen am 20.9.2019

 „fünf-vor-zwölf-Läuten-für den-Klimaschutz“

Die Mitglieder des Ökumenischen Netzwerkes Klimagerechtigkeit sowie die Unterzeichner der Initiative „Churches for future“ rufen ihre Mitglieder auf und laden ein, am 20.9.2019 an
möglichst vielen Orten und möglichst in ökumenischer Zusammenarbeit ein „fünf-vor-zwölf-
Läuten-für den-Klimaschutz“ durchzuführen: als eine von vielen möglichen Beteiligungsformen
von Kirche an diesem Tag.
Sinnvoll scheint Ihnen dabei zu sein,
• den entsprechenden Vorstoß gut vor Ort ökumenisch abzustimmen
• zu sondieren, ob die Kirchenleitungen bereit sind, das Vorhaben zu unterstützen,
• dass sich die örtlichen Akteure vorab bei den Gruppen der Zivilgesellschaft
kundig gemacht haben, was deren genaue lokale Pläne sind (Demo, Kundgebung etc),
• das Ganze entsprechend medial kommuniziert.
• Last but not least: ein möglichst zeitnahes Streuen dieses Aufrufs in den Landeskirchen, Kirchenkreisen und Kirchengemeinden.

Im Anschluss an das Läuten wird angeregt, eine Andacht zu feiern. (Damit erfüllen Sie auch die Kriterien der „Läuteordnungen“ in den meisten Landeskirchen, wonach nur zu gottesdeinstlichen Veranstaltungen geläutet werden darf. Für eine solche Andacht finden Sie einen Andachtsentwurf angehängt

5 vor 12! Kirchturmuhren stehen still

Der Koordinierungsrat des ökumenischen Bündnisses für Klimagerechtigkeit in Baden-
Württemberg spricht Kirchengemeinden, die in Städten mit relevanten Streiks vor Ort sind,
gezielt an und macht sie auf eine Aktionsidee aufmerksam, die ein genuin kirchlicher
Unterstützungsbeitrag sein könnte:
Es ist 5 vor 12! Kirchturmuhren stehen still – Kirchen für Klimagerechtigkeit
Kirchengemeinden lassen ihre Kirchturmuhr auf „5 vor 12“ stehen und erklären dazu öffentlich,
dass sie damit auf die Dringlichkeit der Klimakrise hinweisen.
Diese Solidarisierungsaktion wurde in der Kirchengemeinde St. Peter in Zürich bereits im März
verwirklicht. Der dortige Pfarrer freut sich über die Resonanz dieser Idee in Deutschland und
begrüßt es, wenn sie nachgeahmt wird. Mehr zu dieser Aktion:
https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/die-beruehmteste-uhr-der-stadt-streiktmit/
story/158961333


350 ppm – Läuten

Am 13.12.2009 um 15 Uhr folgten rund um den Globus zahlreiche Kirchen dem Aufruf Ihre
Kirchenglocken für den für den Klimaschutz zu läuten. Der Anlass war die damals stattfindende
UN-Klimakonferenz in Kopenhagen.
Es wurde 350 Mal geläutet. Die Zahl bezieht sich auf 350 ppm, die nach Ansicht vieler
Wissenschaftler die Höchstgrenze für eine ungefährliche Co2-Konzentration in der Atmosphäre
ist. Laut dem Umweltbundesamt lag die weltweite Kohlendioxid-Konzentration im Jahr 2018 bei
407,38 ppm. Folgen davon sind z. B. Dürren, Überschwemmungen und das Abschmelzen der Pole
und Gletscher.
Die Zahl 350 symbolisiert darüber hinaus 50 Schläge für jeden Tag der Schöpfung. Dazu wurde
vom World Council of Churches ein Gebetsvorschlag erarbeitet. Diesen finden Sie auf Englisch
unter:
https://www.oikoumene.org/en/resources/documents/wcc-programmes/justice-diakonia-andresponsibility-for-creation/climate-change-water/prayer-service-for-climate-justice